Meenzer Dynamites 29.01.2018 — 05:52 Uhr

Noch einen Punkt erschlichen

Schwacher Auftritt der Dynamites gegen ein aufopferungsvoll kämpfendes Tabellen-Schlusslicht aus Gröbenzell endet mit 31:31 Remis

Andrea Bonk rettet energisch noch einen Punkt - Bild Axel Kretschmer - Handball-Zeitung.de

Das eigentlich als abgeschlossen erhoffte Buch der schwachen Auftritt der Dynamites gegen Kellerkinder hat überraschend ein neues Kapitel bekommen. Gegen den bis zum Schluss nie aufsteckenden HCD Gröbenzell kommen die FSGlerinnen durch Andrea Bonks finalen Treffer 36 Sekunden vor dem Ende zu einem glücklichen 31:31 Unentschieden. Vor allem das starke Gröbenzeller Duo Sina Fischer (9 Tore) und Beatrice Mazzucco (8 Tore) sorgte für den hochverdienten 2. Punktgewinn des Tabellenschlusslichts.

Gegenüber dem starken Auftritten in 2018 zu Hause gegen den BSV Zwickau und zuletzt gegen den TV Beyeröhde waren die Meenzer Dynamites nicht wieder zu erkennen. Von Beginn an fehlte die nötige Spannung und Konzentration gegen den diszipliniert und kämpferisch eingestellten Gast. Alle Warnungen, dass es in der laufenden Runde keine leichten Gegner gibt, und der HCD mit einigen knappen Ergebnissen gegen stärker eingeschätzte Teams aufwarten konnte, schienen nicht in den Köpfen angekommen zu sein.

Immerhin "zündeten" die Dynamites, als der HCD Gröbenzell in der 21. Minute mit fünf Toren in Front lag (7:12). Mit der Einwechslung von Elisa Burkholder, die ihr letztes Spiel vor einer Knie-OP bestritt, holten sich die FSGlerinnen erstmals die nach dem 4:3 (9.) verlorene Führung zurück, und alle Fans dachten wohl, mit dem 15:14 zur Halbzeit sei der Aufstand des Kellerkindes befriedet. „Eigentlich dachte ich das auch“, bekannte Dynamites-Coach Thomas Zeitz nach dem Spiel gegenüber der Presse.

Doch die Fehler im Angriff nahmen auch im 2. Spielabschnitt nicht ab. Halbherzige Würfe, zum Teil am Tor vorbei oder mitten auf die Torfrau setzten die Gäste nie richtig unter Druck. Vor allem nach dem starken Spiel aus der Vorwoche gegen Beyeröhde ein Rätsel für Thomas Zeitz: „Schwer zu erklären, dass heute dieselben Spielerinnen auf der Platte standen, die letzte Woche noch mit so vielen tollen Aktionen glänzten“.

Noch rätselhafter war die Leistung der Abwehr. Vor allem die Halbpositionen waren das Problem. „Wir verlieren ständig die Zweikämpfe auf Halblinks und Halbrechts, machen die Gegnerinnen nicht konsequent fest, und die gehen dazwischen und sind frei durch“, kritisiert Zeitz ein Negativmuster in der Deckungsarbeit. Und auch die Torfrauen sahen gegen Gröbenzells Hauptwerferinnen Sina Fischer und Linksaußen Beatrice Mazzucco alles andere als gut aus. Genügend Schwachpunkte, die der beherzt auftretende Gast für sich zu nutzen wusste.

Kein Team setzte sich in der zweiten Hälfte bei zweimal wechselnden Führungen um mehr als zwei Tore ab. Der HCD gab ab der 43. Minute (20:21) aber stets die Führungen vor, was vor allem aufgrund der starken Phase der Dynamites vor dem Halbzeitpfiff überraschte.  „Das kann nur Kopfsache sein, es steckte wohl zu tief drin,  dass wir gegen den Tabellenletzten spielen und wir haben es nicht geschafft, das abzuschütteln“, so das Thomas Zeitz. 

Als Gröbenzells bis dahin sichere 7-Meter Schützin Svenja Jaenicke beim 30:31 49 Sekunden vor Abpfiff erneut an den Strich ging, sah es gar rabenschwarz für die Dynamites aus. Doch ausgerechnet diesen Wurf setzte sie an den Pfosten. Andrea Bonk tankte sich 13 Sekunden später durch Gröbenzells Abwehr und holte so den mehr glücklichen Punkt für ihr Team.

Allerdings auch, weil sich die Dynamites im letzten Team-Timeout der Gäste entschlossen, für einen der wenigen positiven Momente zu sorgen. „Die Mannschaft war sich einig, dass wir versuchen wollten, noch einmal an den Ball zu kommen anstatt den Punkt zu sichern“, berichtete Zeitz. Das verhinderte, dass die Gäste noch einmal gefährlich in die Nähe des eigenen Tores kamen. „Letztlich müssen wir zugeben, dass wir uns heute irgendwie noch einen Punkt erschlichen haben“, bestätigte Zeitz unumwunden nach dem Spiel.

Elisa Burkholder, die in den nächsten Wochen wegen einer Knie-OP nicht mehr aktiv mitwirken kann, brachte es für ihr Team auf den Punkt: „Wir haben wohl vergessen, dass wir niemanden unterschätzen dürfen und heute war einfach der Wurm drin.“