Meenzer Dynamites 18.05.2017 — 09:10 Uhr

Ein Abschied der weh tut!

Fanbeauftragter Christoph Stendzina: So weh es uns Mainzer Fans tut, so freuen wir uns für „unsere“ Laura. Denn das wird sie bleiben: Laura - Immer eine von uns!

Wie beginnt man einen Artikel über eine großartige Sportlerin und Persönlichkeit? Wie kann man diesen Menschen einigermaßen objektiv beschreiben? Was muss alles in diesen letzten finalen Bericht über Laura Spatz (geb. Schmitt) rein?

Eines gleich zum Anfang: Mit Objektivität hat dieser Artikel rein gar nichts zu tun. Laura hat für mich jahrelang Handball in Mainz verkörpert. Um sie herum wurden immer wieder neue Mannschaften aufgebaut. Als sie 2011 zusammen mit den ebenfalls großartigen Claudia Schückler und Nicole Steinfurth nach Mainz kamen, ging ein Ruck durch unsere Handballabteilung. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass diese drei Spielerinnen den Weg zu uns fanden?

Laura: „Claudia, Nicole uns ich haben zusammen in Sulzbach gespielt und das hat so gut funktioniert mit uns dreien, dass wir überlegt haben, vielleicht gibt es einen Verein bei dem wir zu dritt unterkommen können,da wir gerne noch weiter leistungsorientiert Handball spielen wollten. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es zu dem Kontakt gekommen ist, ich glaube aber es war mit Karl-Heinz Elsässer.“

Man muss sich an die Situation von damals zurück erinnern: Wir waren grade mit Pauken und Trompeten aus der Zweiten Liga abgestiegen. Mit einer in (fast) allen Belangen überforderten Mannschaft wusste man nicht, wie es in der nächsten Saison weiter geht. Es gab aber ein Ziel!

Laura: „Damals war das Ziel von Karin Euler und dem Verein, den direkten Wiederaufstieg in die Zweite Liga zu schaffen. Das wollten wir drei auch. Ich kannte Mainz nur von einem Pokalspiel im Jahr 2008. Da haben wir mit den Rhein Main Bienen (damals Erste Bundesliga) bei Mainz 05 gespielt.Damals war die Halle voll bis oben hin und es war eine Mega Stimmung, gerade durch die Ultras, darauf habe ich mich gefreut!“

Ich erinnere mich an meinen ersten Kontakt zu Laura. Die Mädels spielten damals in der ersten Runde im DHB-Pokal in Essen. Auf der Rückfahrt unterhielten Laura und ich uns lange. Schon das ist etwas besonderes, da Neuzugänge von mir erstmal etwas eingeschüchtert sind. Warum auch immer… Vielleicht begann unser gutes Verhältnis auch schon an diesem Tag. Sie erzählte mir damals dass sie in dem Spiel gegen uns über dreißig Minuten noch nie so beschimpft und beleidigt wurde. Aber sie hat immer gedacht „Wie geil muss das sein, wenn die alle auf meiner Seite sind!“ .

So kam es wie es kommen musste. Laura kam, sah und siegte. Wiederaufstieg in die Zweite Liga und es sollten noch einige Highlights kommen.

Laura: „Natürlich ist mir der Aufstieg im ersten Jahr im Kopf geblieben. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war das Pokalspiel in Berlin, bei dem wir noch länger geblieben sind und zusammen im Hotelflur übernachtet haben ;). Ansonsten bleiben die Derbys gegen Bretzenheim in Erinnerung und natürlich das letzte Saisonspiel damals in Rödertal, nach dem wir nicht wussten ob wir die Klasse gehalten haben oder abgestiegen sind. Ich werde mich auch immer an das letzte Spiel von Nicki erinnern, dass damals sehr traurig für mich war!“

Natürlich gab es nicht immer schöne Zeiten, auch so manche harte Phasen waren dabei. Hier ist der Höhepunkt bzw. eher Tiefpunkt die schwere Verletzung, die sich Laura letztes Jahr in Bensheim zuzog. Ich glaube, niemand der damals in der Halle war, wird die Sekunden und Minuten nach der Aktion vergessen können. Ich weiß für mich, dass ich das nie werde. Deshalb war für alle Mitspielerinnen, Freunde und Fans dieser Augenblick am letzten Samstag so großartig, als Laura wieder auf dem Feld stand.

Laura: „Das Gefühl am letzten Samstag (Comeback in Ketsch) kannte ich noch nicht so richtig. Es hat sich einfach schön angefühlt, sich wieder gemeinsam mit der Mannschaft in der Kabine zu treffen und sich zusammen warmzulaufen. Endlich durfte ich wieder mit auf die Bank. Claudi hat gleich gesagt, ich soll die Siebenmeter werfen. Als es dann soweit war, war ich so aufgeregt, wie vor vielleicht zehn Jahren das letzte Mal. Es war wirklich schön und ich bin froh, dass ich es nochmal geschafft habe, mit der Mannschaft zusammen aufzulaufen. Als ich mich dann wieder auf die Bank gesetzt habe und Claudi mich in den Arm genommen hat, mussten wir beide erstmal weinen :).

Wie wir alle wissen wird Laura zum Spitzenklub LC Brühl in die Schweiz wechseln. Der Verein hat gute Chancen diese Saison wieder die Meisterschaft zu gewinnen. Man spielt am Sonntag im Playoff-Finale gegen die Mannschaft aus Zug. Wir drücken natürlich die Daumen.

Laura: „Mein neuer Verein ist sehr herzlich, dabei aber sehr professionell. Das Team hat einen super Zusammenhalt und alle sind sehr ehrgeizig und wollen das bestmögliche erreichen. Ich freue mich total auf die neue Herausforderung!“

So weh es uns Mainzer Fans tut, so freuen wir uns für „unsere“ Laura. Denn das wird sie bleiben: Laura-Immer eine von uns!

Dass ich nicht alleine von Laura so überaus positiv denke und schreibe, beweisen die Aussagen von drei ehemaligen Mitspielerinnen von Laura, die ich gebeten habe, kurz den Menschen Laura Spatz zu beschreiben.

So sagt z.B. Lydia Sölva (Torhüterin und wie Laura Fan-Favoritin der „Gruppe Handball“): „Laura ist eine sehr bodenständige, solidarische und ehrliche Haut. Sie hat die Fähigkeit super zwischen zwei Fronten zu vermitteln und auf sie ist stets Verlass! Humor hat sie auch und ist für jeden Spaß zu haben! Ich wünsche ihr ganz viel Glück und Erfolg in den nächsten Jahren“.

Unvergessen natürlich als Lydia nach dem Auswärtssieg in Allensbach Laura durch die Halle trug.

Natürlich gibt es auch ein Statement von Claudia Schückler, der wir für die Zukunft nur das Allerbeste wünschen: „Laura ist gerade raus und sagt, was sie denkt. Sie übernimmt viel Verantwortung, sowohl auf als auch neben dem Feld. Wir verstehen uns blind und ich weiß (fast) immer, was sie machen will. Das blinde Verständnis haben wir auch privat und ich vermisse sie jetzt schon.“

Und noch jemand darf natürlich nicht fehlen, wenn es um eine Einschätzung zu Laura geht. Nicki Steinfurth (Gegnerin am Samstag im Spiel gegen Rosengarten Bucholz, sehr gute Freundin und deshalb genau so objektiv wie ich): „Laura und ich kennen uns inzwischen 9 Jahre, in denen wir handballerisch, aber auch privat viel gemeinsam erlebt haben und durch Höhen und Tiefen gegangen sind! Kennengelernt habe ich sie in Sulzbach, wir gehörten damals zu den jungen Spielerinnen, die wenig Spielzeit bekamen, aber wir waren immer die lautesten auf der Bank! Die gemeinsame Zeit in Mainz, mit dem Aufstieg in die zweite Liga hat uns noch mehr zusammengeschweißt! Wir waren einfach ein unschlagbares Team und das nicht nur auf dem Feld, wir haben uns blind verstanden! Umso schöner ist es, dass wir auch nach meinem Weggang aus Mainz immer noch so eng befreundet sind! Das ist etwas ganz Besonderes, weil Laura etwas ganz besonderes ist! Ich habe so viel von ihr gelernt, handballerisch, aber vor allem auch menschlich! Sie ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden und ich freue mich für sie, dass sie jetzt nach ihrer schlimmen Verletzung nochmal etwas Neues wagt, auch wenn wir nun noch weiter voneinander entfernt wohnen werden! Ich drücke ihr alle Daumen und werde immer hinter ihr stehen! Die Schweizer können sich wirklich glücklich schätzen,sie als Handballerin und als Mensch kennenzulernen!“

Ich glaube, diesen drei Aussagen braucht man nichts mehr hinzufügen.

Ich bedanke mich nochmals bei Laura für die vergangenen sechs Jahre. Für alles was sie für unseren Verein gemacht, für alles was sie für uns Fans gemacht hat und für unsere Freundschaft, die auch nicht wegen einer hohen Kilometeranzahl aufhören wird. Laura, du wirst uns, du wirst mir fehlen. Aber wie heißt es so schön: Sei nicht traurig weil es vorbei ist, sondern freue dich in Gedanken an die letzten sechs Jahre!

Laura: „Ich möchte nochmal Danke sagen, an alle die mich und die Mannschaft die letzten Jahre begleitet haben. Es war immer schön hier zu spielen und ich werde alles sehr vermissen. Ich wurde hier hier zu der Spielerin, die ich jetzt bin und habe über die Jahre viel gelernt und tolle Menschen kennengelernt. Ich hoffe, der eine oder andere schaut sich mal ein Spiel in der Schweiz an :). Ich werde immer wieder gerne zu Spielen der Dynamites kommen um die Mannschaft zu unterstützen!!!“

Mach's gut Laura!