News [Handball] 10.07.2026 - 10:00 Uhr
Gold in China. Gänsehaut in Mainz.
Es sind diese Momente, die Vereinsgeschichte schreiben. Als in China die letzten Sekunden des WM-Finales herunterlaufen und der Schlusspfiff ertönt, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Spielerinnen und Betreuerinnen fallen sich in die Arme, Goldmedaillen glänzen um die Hälse – Deutschland ist U20-Weltmeister. Ungeschlagen. Zum ersten Mal seit dem Triumph bei der U19-Europameisterschaft im vergangenen Sommer steht die deutsche Nachwuchsauswahl erneut ganz oben auf dem Podium. Mittendrin: 05erin Marleen Kern.
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Die Rückraumrechte der Meenzer Dynamites führte die deutsche Mannschaft als Kapitänin durch ein außergewöhnliches Turnier. Mit Übersicht, Spielintelligenz und großer Ruhe lenkte sie den Angriff, organisierte die Defensive und übernahm Verantwortung, wenn es darauf ankam. Acht Spiele in zwölf Tagen – acht Siege. Der verdiente Lohn: der Weltmeistertitel.
Für den deutschen Nachwuchshandball ist dieser Erfolg historisch. Nur 351 Tage nach dem Gewinn der U19-Europameisterschaft in Montenegro gelang der deutschen Auswahl das seltene Double aus U19-EM und U20-WM. Erst zum dritten Mal überhaupt ist es einer weiblichen U19-/U20-Nationalmannschaft gelungen, beide Titel in direkter Folge zu gewinnen.
Und auch beim 1. FSV Mainz 05 wird dieser Triumph einen besonderen Platz in der Vereinsgeschichte einnehmen. Marleen Kern ist die erste Handball-Weltmeisterin des Vereins – ein ganz besonderes Kapitel im Jubiläumsjahr, in dem die Handballabteilung ihr 100-jähriges Bestehen feiert.
Eine Weltmeisterin mit dem Blick für ihre Mitspielerinnen
Wer Marleen Kern kennt, weiß, dass sie persönliche Auszeichnungen nie in den Vordergrund stellt. Umso passender ist es, dass sie den Grundstein des Erfolgs nicht bei sich selbst, sondern bei der Mannschaft sieht.
"Der Schlüssel war unser unglaublich breiter Kader. Wir waren auf jeder Position hervorragend besetzt und konnten jederzeit wechseln, ohne dass unsere Qualität gelitten hat. Bei acht Spielen in zwölf Tagen war das enorm wichtig. Gleichzeitig haben wir immer an uns geglaubt. Egal, wie hoch wir zurücklagen – wir waren überzeugt, dass wir jedes Spiel noch drehen können. Dieses Vertrauen ineinander hat uns durch das gesamte Turnier getragen."
Dieses Selbstverständnis war auf dem Spielfeld jederzeit zu spüren. Deutschland überzeugte mit Tempo, Variabilität und einer bemerkenswerten Mentalität. Auch in engen Phasen blieb das Team ruhig, glaubte an seine Stärke und fand immer wieder Lösungen.
Eine Kapitänin, die vorangeht
Dass Marleen Kern dabei eine Schlüsselrolle einnahm, überrascht in Mainz niemanden.
Die Sportliche Leiterin Eva Federhenn verfolgt ihre Entwicklung mit großer Freude und sieht in der WM die Bestätigung eines konsequent eingeschlagenen Weges:
"Wir sind alle sehr stolz auf Marleen und den Erfolg des gesamten Teams! Die U20 ist ein absolutes Aushängeschild für den deutschen Frauenhandball. Ein Team mit einem sehr breiten Kader, mit vielen sehr talentierten Spielerinnen. Marleen hat eine sehr gute WM gespielt. Als Kapitänin hat sie das Team angeführt. Ruhig und mit viel Übersicht im Angriff, tollen Anspielen an den Kreis und die Außen sowie einer sehr überzeugenden Abwehrarbeit. Sie ist eine absolute Teamplayerin, der Erfolg des Teams steht bei ihr immer im Vordergrund.
Wir sind überzeugt, dass sie durch ihre Erfahrung auf internationaler Ebene trotz ihrer jungen Jahre in der kommenden Saison noch wertvoller für unser Team in der 2. Bundesliga und ihre eigene Weiterentwicklung sein wird. Marleens Steigerung in der letzten Saison bestätigt unseren gemeinsam mit ihr eingeschlagenen Weg, dass hohe Spielanteile auf dem idealen Entwicklungsfeld in der 2. Bundesliga nach dem letztjährigen Schritt aus der 3. Liga ein zentraler Baustein der Förderung und für ihren Karriereweg wichtig sind. Mit noch einem weiteren Jahr in der 2. Bundesliga und entsprechenden Einsatzzeiten hat sie das Potential in die Fußstapfen z. B. einer Meike Schmelzer zu treten, die über genau diesen Weg den Sprung in die 1. Liga und das Frauennationalteam geschafft hat."
Auch Cheftrainer Jörg Schulze sieht in der Weltmeisterschaft einen weiteren großen Entwicklungsschritt seiner Rückraumspielerin.
Während des gesamten Turniers übernahm Kern in der Abwehr Verantwortung gegen die jeweils stärksten Rückraumspielerinnen der Gegnerinnen, unterstützte ihre Mitspielerinnen permanent und organisierte das Defensivspiel. Im Angriff setzte sie mit präzisem, druckvollem Passspiel insbesondere die Außenpositionen immer wieder wirkungsvoll ein, glänzte mit punktgenauen Kreisanspielen und bildete gemeinsam mit ihrer Rückraumpartnerin Litvinov das Herzstück des deutschen Angriffsspiels.
Schulze bringt es auf den Punkt:
"Wir haben alle mitgefiebert und freuen uns sehr über den Erfolg des deutschen Teams sowie über die tolle Leistung von Marleen. Neben ihrer Wurfkraft hat sie ihre Nebenspielerinnen in Abwehr und Angriff immer mitgezogen und sehr gut in Szene gesetzt. Marleen hat sich während der gesamten WM als tolle Kapitänin präsentiert und nach ihrem 1. Zweitligajahr den nächsten, großen Entwicklungsschritt gemacht."
China als Gastgeber – und der Fokus auf das große Ziel
Vom Gastgeberland selbst bekam die Mannschaft bzw. Marleen während der Weltmeisterschaft nur wenig zu sehen – aus gutem Grund.
"Wir wurden überall sehr herzlich empfangen. Organisatorisch war alles hervorragend und wenn doch einmal etwas fehlte, wurde sich sofort darum gekümmert. Viel Zeit, das Land kennenzulernen, blieb allerdings nicht. Unsere freien Tage gehörten dem Training und der Regeneration. Schließlich waren wir dort, um etwas zu gewinnen."
Dass diese Mannschaft am Ende Gold holte, lag für Marleen vor allem an einer Eigenschaft, die sie bis zum Finale auszeichnete.
"Wir haben nie aufgehört zu kämpfen und nie an unserer Qualität gezweifelt. Jeder hat für jeden gearbeitet. Dieser Zusammenhalt hat uns besonders gemacht."
Ein Dank, der von Herzen kommt
Nach all den Emotionen richtet Marleen den Blick auf die Menschen, die sie auf ihrem Weg begleitet haben.
"Mein größter Dank gilt meinen Eltern. Ohne ihre Unterstützung in den vergangenen fünf Jahren bei der Nationalmannschaft wäre vieles nicht möglich gewesen. Das ist für mich alles andere als selbstverständlich. Genauso dankbar bin ich meiner Mannschaft. Gemeinsam haben wir unvergessliche Momente erlebt, sind immer wieder über uns hinausgewachsen und haben uns diesen Titel als Team verdient."
Mehr als ein WM-Titel
Der Gewinn der Weltmeisterschaft ist weit mehr als eine Goldmedaille. Er ist die Belohnung für jahrelange Arbeit, für Vertrauen in junge Spielerinnen und für den gemeinsamen Weg, den Marleen Kern und die Meenzer Dynamites eingeschlagen haben.
Mit ihrer Entwicklung zu einer Führungsspielerin in der 2. Bundesliga und nun zur Weltmeister-Kapitänin hat die 20-Jährige eindrucksvoll bewiesen, welches Potenzial in ihr steckt.
Oder, um es mit einem Satz zusammenzufassen:
Gold für Deutschland. Stolz für Mainz. Und eine Weltmeisterin, die ihre Geschichte beim 1. FSV Mainz 05 noch lange nicht zu Ende geschrieben hat.